Pressemitteilung, Juli 2010

Das Ägyptische Museum Bonn ist ab sofort um eine Attraktion reicher. Ein hervorragend erhaltener Kanopenkasten mit wunderbar erhaltener Malerei aus dem 3. Jahrhundert vor Christi, der ursprünglich aus der berühmten Myrs Collection am Eton College stammt, wurde im Rahmen einer Kooperation mit der Sammlung Preuß dem Ägyptischen Museum Bonn übergeben.

Der langjährige Chefredakteuer des Deutschen Forschungsdienstes in Bonn Karl-Heinz Preuß und seine Frau Ursula, die sich bereits seit vielen Jahren mäzenatisch in der Wissenschaftsförderung engagieren, haben sich entschlossen, die wichtigsten Stücke ihrer ägyptischen Sammlung, die zu den bedeutendsten privaten Sammlungen ägyptischer Kunst in Deutschland gehört, Zug um Zug der Universität Bonn zu übergeben.

Noch offen ist, ob die übergebenen oder für die Übergabe vorgesehenen Objekte in eine treuhänderische Stiftung oder in eine Schenkung überführt werden. Auf jeden Fall bleiben sie dem Ägyptischen Museum auch auf Dauer erhalten. Dabei handelt es sich ausschließlich um Objekte von hohem musealen Rang, die nicht nur von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung für das Ägyptische Museum in Bonn sind, sondern bei denen es sich teilweise auch um Objekte handelt, für die es in Bonn bisher keine vergleichbaren Stücke gibt.

Neben den bereits jetzt übergebenen Objekten sind auch eine Reihe weiterer musealer Spitzenobjekte für die Übergabe vorgesehen. Dazu gehört eine Scheintür aus Kalkstein ebenso wie ein eindruckvolles Beispiel ägyptischer Wandmalerei aus einem Grab in Theben, für das sich im Ägyptischen Museum Bonn bisher nichts Vergleichbares findet. Das gleiche gilt beispielsweise auch für einen ungewöhnlich ausdrucksvollen falkenköpfigen Kanopendeckel oder für ein Krokodil aus Stein aus der XXX. Dynastie um 380 vor Christi.

Ein besonderer Glücksfall aus wissenschaftlicher Sicht für die Bonner Ägyptologen ist, daß sie bei den bereits übergebenen Objekten auch auf zwei große und acht kleinere Fragmente eines Reliefs stießen, das aus dem Grab eines Wesirs der Saitenzeit stammt, dessen Amt ihn zu einer der einflußreichsten Persönlichkeiten seiner Zeit machte. Vom gleichen Relief befanden sich nämlich bereits Teile im Ägyptischen Museum, die jetzt ergänzt werden können. Zwei weitere Stücke des gleichen Reliefs befinden sich in der Staatlichen Sammlung Ägyptischer Kunst in München. Entdeckt wurde das Grab von dem Ägyptologen und Sprachforscher Karl Richard Lepsius, der als einer der Begründer der Ägyptologie gilt. Danach galt das Relief als verschollen.

Ergänzt werden die musealen Objekte durch eine größere Zahl großformatiger Originalblätter aus den wenigen noch erhaltenen Exemplaren der berühmten Description de l`Egypt vom Ägypten-Feldzug von Napoleon Bonaparte mit Kupferstichen ägyptischer Altertümer aus der Sammlung Preuß, die sich noch in den originalen Auslieferungsmappen aus der Zeit um 1820 befinden.

Fast zeitgleich mit der Übergabe der ersten Stücke aus der ägyptischen Sammlung des Brühler Ehepaares an das Ägyptische Museum Bonn wurde im Museum Roemervilla in Ahrweiler in Zusammenarbeit mit der Sammlung Preuß und der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz eine Ausstellung über den römerzeitlichen Gutshof von Schuld an der Ahr eröffnet, der bereits vor über 100 Jahren ebenfalls Bonner Archäologen beschäftigte. Durch Fundmeldungen aus dem Jahre 1907 und 1939 wurde das Bonner Landesmuseum als zuständige denkmalpflegerische Behörde auf die Relikte aus römischer Zeit aufmerksam.

Doch es dauerte noch bis Anfang der 1960er Jahre, als man bei Straßenbauarbeiten im Zuge der Flurbereinigung auf römische Grundmauern stieß, bis die ersten Grabungen, diesmal unter der Zuständigkeit der rheinland-pfälzischen Denkmalforschung, erfolgten. Zwischen 1962 und 1968 gab es mehrere Grabungen, bei denen man sich auf das Hauptgebäude konzentrierte.

Danach fiel die Römervilla in Schuld erneut in einen Dornröschenschlaf, aus dem sie erst jetzt wieder von dem Brühler Ehepaar geholt wurde, das die teilweise zwischenzeitlich verschollenen Funde aus Schuld, soweit sie sich nicht bereits bei der zuständigen Behörde befanden, ankaufte und der Landesarchäologie von Rheinland-Pfalz zur Verfügung stellte.

Gleichzeitig stellte das Ehepaar Mittel für die wissenschaftliche Aufarbeitung der bisherigen Funde und Befunde bereit sowie für eine Publikation, die sich ausschließlich der Römervilla Schuld widmet (Hubertus Ritzdorf: „Römervilla Schuld - Ein Gutshof vor 2000 Jahren“, Archäologie an Rhein und Mosel, Band 21, ISBN 3-929645-14-9. Herausgegeben von der Außenstelle Koblenz der Direktion Archäologie der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Denkmalpflege Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit der Sammlung Preuß).

Langfristig wird angestrebt, die Römervilla Schuld auch vor Ort der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Sonderausstellung „Der römische Gutshof von Schuld an der Ahr“ in der Roemervilla Ahrweiler, die Mitte März eröffnet wurde, ging am 20. Juni zuende. Einige der Exponate aus Schuld, darunter die einzigen bislang bekannten Fragmente von römischen Mosaiken an der Ahr, verbleiben jedoch in der Dauerausstellung der Roemervilla Ahrweiler und können in der diesjährigen Museumssaison noch bis zum 14. November besichtigt werden.

 

Öffnungszeiten des Ägyptischen Museums der Universität Bonn, Regina-Pacis-Weg 7, 53113 Bonn: Dienstag bis Sonntag 12 - 18 Uhr. Feiertags geschlossen. Ansprechpartner: Michael Höveler-Müller, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Öffnungszeiten Museum Roemervilla Ahrweiler, Am Silberberg 1, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler: Dienstag bis Sonntag sowie feiertags von 10 - 17 Uhr. Geschlossen von Mitte November bis Mitte März. Ansprechpartner: Dr. Hubertus Ritzdorf, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Ansprechpartner für Sammlung Preuß: Karl-Heinz Preuß, Tel. 02232 / 48 430
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!      http://www.sammlung-preuss.de

Förderkonten

Ägyptisches Museum: Spendenkonto der Universität - Ägyptisches Museum,
Sparkasse KölnBonn, Kto Nr.: 57695, BLZ 370 501 98, Projekt Nr.: 71053
(Bitte unbedingt angeben), Stichwort: „Ägyptisches Museum“

Verein zur Förderung des Ägyptischen Museums der Universität Bonn e.V.,
Sparkasse KölnBonn, KtoNr.: 29041, BLZ 370 501 98
Ansprechpartner: Prof. Dr. Ursula Rößler-Köhler, Tel. 0228 / 73-5733, 
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für Förderverein: Prof. Dr. Heinz-Josef Thissen (1. Vorsitzender), 
Laura Dickson (2. Vorsitzende), Tel. 0228 / 73 75 87, Fax: 0228 / 73-7360,
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Römervilla Schuld: Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel e.V.,
Sparkasse Koblenz, KtoNr.: 1 012 947, BLZ 570 501 20, Stichwort
„Römervilla Schuld“
Ansprechpartner: Dr. Hans-Helmut Wegner, Tel. 0261 / 6675 3000,
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