Pressemitteilung  November 2012

Eine lange in Koblenz beheimatete wertvolle private ägyptische Sammlung hat jetzt den Weg nach Bonn gefunden. Dank der vertrauensvollen Zusammenarbeit der Sammlung Preuß aus Brühl mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Archäologie, Koblenz, und der Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel einerseits und mit dem Ägyptischen Museum der Universität Bonn andererseits ist das Bonner Museum um einen Schatz reicher geworden:

Am 7. November 2012 übergab Ingrid Gahl-Schoeller aus Koblenz dem Ägyptischen Museum Bonn eine Sammlung von über 180 altägyptischen Objekten aus altem Familienbesitz. Die Sammlung wurde vom Großonkel der Stifterin Charles Schoeller (1856-1916) zusammengetragen, der als Kaufmann mehrere Jahrzehnte in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria lebte, wo er sich auch für die Antike begeisterte und im Laufe der Zeit die Stücke erwarb, die jetzt ihren endgültigen Platz in Bonn gefunden haben.

Vorausgegangen war der Wunsch der Stifterin, die Sammlung der Wissenschaft zu erhalten und sie gleichzeitig der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Dabei handelt es sich um eine auch in ihrer Gesamtheit ganz wunderbare Kollektion meist kleinformatiger Objekte, deren Datierung von der pharaonischen bis hin zur koptisch-christlichen Periode reicht.

Von besonderem Wert für das Bonner Museum sind dabei die Objekte, die unmittelbar mit der Stadt Alexandria, die als Hauptstadt des Ptolemäerreiches schnell zu großer wirtschaftlicher und kultureller Blüte heranwuchs und neben Rom die größte Stadt der Antike war, und ihrer griechisch-ägyptischen Mischkultur in Beziehung stehen. Genau diese Periode ist nämlich, wie Prof. Dr. Ludwig Morenz, Leiter der Abteilung Ägyptologie, und der Kurator des Museums Dr. Martin Fitzenreiter die Bereicherung der Bonner Sammlung durch die Schenkung übereinstimmend würdigten, im Ägyptischen Museum der Universität Bonn bisher kaum vertreten gewesen.

So befinden sich unter den Stücken zum Beispiel auch Miniaturbüsten der alexandrinischen Hauptgötter Serapis, dessen Kult Griechen und Ägypter verbinden sollte, und Isis, deren Verehrung, von Alexandria ausgehend, ebenfalls weit über Ägypten hinausreichte, das Porträtköpfchen eines ptolemäischen Königs oder Prinzen, der einer Dynastie angehörte, die fast 300 Jahre über Ägypten herrschte, sowie eine Darstellung der Göttin Isis mit dem Horuskind aus Bronze, die sich als Motiv auch auf einer Öllampe wiederfindet und durch ihre Ähnlichkeit mit dem Bild der Maria mit dem Jesuskind ahnen läßt, daß es auch in unterschiedlichen Religionen und Glaubensrichtungen Vorstellungen gibt, die vermutlich auf gemeinsame Wurzeln zurückzuführen sind.

Die Verbindung zum Hellenismus wird auch am Beispiel eines Marmorkopfes deutlich, der augenscheinlich die Züge von Alexander dem Großen trägt, auf den die Gründung Alexandrias zurückgeht.

Auch kulturhistorisch ist die Sammlung, die jetzt das Bonner Museum bereichert, von großem Wert, ist sie von ihrer Herkunft und Entstehung im „Museum der Sammlungen“, das derzeit als weiterer Schwerpunkt im Ägyptischen Museum der Universität Bonn entsteht, doch ein weiteres exemplarisches Beispiel für die Kultur des Sammelns als Spiegelbild der Auseinandersetzung mit Ägypten und seiner Geschichte.