Pressemitteilung Ägyptisches Museum Bonn vom 21.05.2014

Die Sammlung Preuß gilt inzwischen als eine der umfangreichsten, vielfältigsten und angesehensten Privatsammlungen antiker Kunst in Deutschland. Zahlreiche Objekte von ihr stehen als Dauerleihgabe, Zustiftung oder Schenkung in Museen oder anderen öffentlich zugänglichen Einrichtungen. Zu den Institutionen, die in ganz besonderem Maße von dem Brühler Mäzenenehepaar Ursula und Karl-Heinz Preuß, langjähriger Herausgeber und Chefredakteur des Deutschen Forschungsdienstes in Bonn, gefördert werden, gehört auch das Ägyptische Museum der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Dort wurde jetzt unter dem Titel „Von der Antike bis zur Moderne - Tierdarstellungen aus vier Jahrtausenden in der Sammlung Preuß“ eine Ausstellung eröffnet, die dem Besucher in geradezu spektakulärer Weise ein ebenso umfassendes wie durch die Persönlichkeit des Sammlerehepaares geprägtes Bild von der Rolle der Tiere und ihrem Verhältnis zum Menschen von der Antike bis heute vermittelt. Es geht um nichts weniger als um eine Reise durch Zeit und Raum, durch die Regionen und Epochen. Dabei wird das Tier in unzähligen Rollen präsentiert: angefangen mit der zahmen, heimischen Kreatur, über das wilde exotische Lebewesen, bis zum Nutztier oder Nahrungsmittellieferant, Freund und Feind sowie gänzlich erfundenen Fabel- oder Mischwesen und schließlich bis hin zum Prestige- und Statussymbol.

Tiere als Götter, heilige Tiere, Tiere in Menschengestalt, aber auch als treue Jagd- und Weggefährten des Menschen, oder Reiterbildnisse von den Römern bis zu den Skythen ergänzen in dieser Ausstellung das herkömmliche Bild vom Tier und belegen seine umfassende Einbindung in nahezu alle Bereiche der jeweiligen Kultur. Das erklärt auch, warum der Schwerpunkt dieser Ausstellung auf dem Alten Ägypten liegt, denn in keiner anderen Kultur war das Tier mit der Vorstellungswelt des Menschen so eng verwoben wie im pharaonischen Ägypten.

Die Ausstellung spannt in bisher nicht gesehener Weise zwei große Bögen. Den einen Bogen durch die Zeit, von der Antike, in der das Tier gefürchtet, gejagt und genutzt, aber auch verehrt wird, bis zur Moderne, die sich nach der ursprünglichen Magie der Symbiose von Mensch und Tier nur noch sehnen kann. Den zweiten Bogen spannt sie durch die Räume, von Ägypten bis Amerika, vom Hindukusch bis Brühl, wo im Geburtsort von Max Ernst, der mit einem Spätwerk aus seinem graphischen Vermächtnis vertreten ist, und dem Lebensmittelpunkt des Sammlerehepaares die Stücke in ihrer ganz eigenen Logik zusammen-gefunden haben.

Dabei beginnt die im Ausstellungstitel vertretene „Moderne“ nicht erst mit Max Ernst oder Paul Wunderlich, sondern bereits mit dem zwischen 1809 und 1828 erschienenen und in der Folge des Feldzuges von Napoleon Bonaparte nach Ägypten entstandenen Monumentalwerk der „Description de l`Égypte“, das ebenfalls mit einigen Originalblättern aus der Sammlung Preuß vertreten ist. Die „Description“ ist nämlich nicht nur das erste große Werk der Ägyptologie mit einer nahezu vollständigen Beschreibung und Bestandsaufnahme Ägyptens zum Zeitpunkt des Feldzuges, sondern sie ist vor allem mit all ihren Ausflüssen auf Politik und Gesellschaft ein Beispiel für die Auseinandersetzung Europas und der „Moderne“ mit der „Antike“ - und zwar nicht nur im künstlerischen Sinn: Der Feldzug Bonapartes und dessen Folgen sind von zentraler Bedeutung, war doch die systematische Erschließung des Landes die Grundlage der Ägyptologie als Wissenschaft und der Beginn der bis heute anhaltenden Faszination der europäischen Öffentlichkeit an Ägypten. Das Spektrum dieser Ausstellung geht aber über Ägypten weit hinaus:

So werden geographisch unter dem Begriff „Alter Orient“, einem weiteren Schwerpunkt der Ausstellung, etwa das Kerngebiet Mesopotamien und dessen Nachbarn, also der Iran, Anatolien und die Levante verstanden. Auch Afghanistan, das einst zum Perserreich gehörte, und Pakistan werden teilweise einbezogen. Bedeutende Zeugnisse einer altorientalischen Kultur stammen zum Beispiel aus Luristan, einer der zahlreichen Provinzen des Iran, die im Südwesten des Zagro-Gebirges liegt.

Zu den bedeutenden vorkolumbianischen Kulturen, in der Tiere eine ganz besondere Rolle spielten, zählen beispielsweise die Maya in Mittelamerika oder die Inkas in Peru. Besonders in Mexiko und Peru ist die Verehrung von vermenschlichten Raubkatzen ein typisches Element der religiösen Vorstellungswelt. Tierdarstellungen wie die des Jaguars gehörten deshalb zu den zentralen Motiven der präkolumbianischen Kunst.

Die Ausstellung greift aber auch Einzelaspekte im Verhältnis von Menschen und Tieren auf und setzt thematische Schwerpunkte: Ein Themenschwerpunkt widmet sich beispielsweise am Beispiel von Exponaten aus der Sammlung Preuß Tierbildern auf antiken Münzen. So wird der mit zwei ptolemäischen Großmünzen vertretene „Ptolemäeradler“ denn auch gerne als das erste konsequent eingesetzte Wappentier der Welt-geschichte bezeichnet.

Eine besondere Rolle spielten Tiere auch bei der Entwicklung der Schrift. Etwa ein Viertel der ägyptischen Schriftzeichen bildet Tiere ab, womit der Anteil höher ist als bei den „Menschenzeichen“, was wiederum den hohen Stellenwert deutlich macht, den man im Alten Ägypten der Tierwelt beimißt. Mehrere Reliefs und Sargbrettfragmente belegen eindrucksvoll den engen Zusammenhang von Tiersymbolen und Schrift.

Zur Ausstellung ist unter dem Ausstellungsstitel „Von der Antike bis zur Moderne - Tierdarstellungen aus vier Jahrtausenden in der Sammlung Preuß“ ein farbenprächtiger Katalog mit 140 weitgehend farbigen Abbildungen erschienen, bei dem Text wie Bild gleichermaßen beein-drucken und der gleichzeitig auch für den Wissenschaftler eine Fülle von teilweise bisher unbekannten Detailinformationen bereithält und damit auch eine Bereicherung für die wissenschaftliche Arbeit und den Erkenntnisgewinn der Ägyptologie ist.